Ab Reykjavík oder in den Norden Islands?

Die Frage klingt logisch: weiter nördlich, bessere Chancen. In Island ist sie fast falsch gestellt, und die Antwort hat mit Geografie weniger zu tun als mit Wetter.

Ganz Island liegt schon unter dem Auroraoval

Das Polarlicht erscheint nicht überall gleich häufig, sondern in einem Ring um den magnetischen Pol, dem Auroraoval. Entscheidend ist, ob man unter diesem Ring steht. Reykjavík liegt bei etwa 64 Grad Nord, Akureyri im Norden bei knapp 66. Das sind rund zweihundertfünfzig Kilometer Unterschied auf einer Insel, die insgesamt in den Ring passt.

Für die Sichtbarkeit bedeutet das: An einem Abend, an dem in Akureyri das Nordlicht steht, steht es bei normaler Aktivität auch über dem Süden. Die zwei Breitengrade verschieben die Wahrscheinlichkeit messbar, aber nicht so deutlich, dass sie die Reiseplanung bestimmen sollten. Wer in Island ist, ist geografisch bereits am richtigen Ort.

Was tatsächlich den Unterschied macht

Drei Dinge, und keines davon ist der Breitengrad.

Die Wolkendecke. Sie entscheidet den Abend, und sie ist in Island regional sehr verschieden. Der Norden ist im Winter statistisch etwas trockener und klarer als der windzugewandte Süden, was ein echter Vorteil ist. Aber er ist ein Vorteil über die Saison gemittelt, nicht an deinem Dienstag.

Die Lichtverschmutzung. Reykjavík ist hell, aber klein, und genau deshalb fahren alle sechs Touren dieser Seite aus der Stadt hinaus. Nach vierzig Minuten Fahrt bist du in einer Dunkelheit, die von der im Norden nicht zu unterscheiden ist. Der Nachteil der Hauptstadt wird also weggefahren, das ist der eigentliche Zweck der Tour.

Die Beweglichkeit. Und die ist das stärkste Argument für Reykjavík. Von hier starten jeden Abend Dutzende Touren mit Fahrern, die das halbe Umland kennen und bei geschlossenem Himmel achtzig Kilometer in eine andere Richtung fahren. Diese Auswahl gibt es im Norden nicht in dieser Dichte.

Wofür Reykjavík spricht

Die Angebotsdichte ist der praktische Kern. Sechs sehr unterschiedliche Touren an einem Ort, vom Bus für ~65 € bis zum Jeep für ~208 €, mit Abfahrten an jedem Abend der Saison. Wenn dein erster Versuch scheitert, kannst du den kostenlosen zweiten Versuch schon am nächsten Abend einlösen, weil am nächsten Abend wieder gefahren wird.

Dazu kommt, dass du ohnehin hier bist. Fast jede Islandreise beginnt in Keflavík, und die meisten Reisenden haben in Reykjavík mindestens zwei Nächte. Zwei Nächte in der Hauptstadt bedeuten zwei Chancen, ohne dass du dafür einen Tag Fahrt einplanst.

Wofür der Norden spricht

Wenn du ohnehin mehrere Tage im Norden verbringst, etwa rund um Akureyri oder den Mývatn, dann nutze das. Der Himmel ist dort im Winter im Mittel klarer, die Orte sind kleiner und dunkler, und du musst nicht erst eine Stunde aus einer Stadt herausfahren.

Was sich dagegen nicht lohnt, ist die Fahrt nach Norden allein wegen des Nordlichts. Das sind im Winter mehrere Stunden auf teils schwierigen Straßen, für einen Vorteil, den dir eine einzige zugezogene Nacht vollständig wieder abnimmt.

Sechs Touren, jeden Abend der Saison, ab Reykjavík

Der günstigste der sechs, vier Stunden ohne feste Route: gefahren wird dorthin, wo die Prognosen den klarsten Himmel versprechen.

Und die Touren, die weiter weg fahren?

Keine der sechs Touren auf dieser Seite fährt in den Norden, und das ist kein Versehen. Alle sechs sind Abendtouren von vier bis fünf Stunden, und in diese Zeit passt der Radius rund um Reykjavík, nicht mehr. Wer Anbieter sieht, die in einer Abendtour Akureyri versprechen, sollte genau nachrechnen: Die Fahrzeit allein frisst die Tour auf.

Was innerhalb des Radius liegt, ist trotzdem viel: die Reykjanes-Halbinsel, das Hinterland Richtung Þingvellir, die Südküste bis in die Gegend von Hveragerði. Das sind sehr verschiedene Wetterlagen, und genau dieses Spiel spielen die Guides.

Die Kurzfassung

Ganz Island liegt unter dem Auroraoval, deshalb ist der Unterschied zwischen Reykjavík und dem Norden für die Sichtbarkeit klein. Entscheidend sind Wolken, Dunkelheit und die Fähigkeit, auszuweichen, und in allen drei Punkten ist eine geführte Tour ab Reykjavík konkurrenzfähig. Bist du ohnehin im Norden, nutz die klareren Nächte. Fahr aber nicht wegen des Nordlichts allein dorthin.

Fragen und Antworten

Weitere Fragen zu Reykjavík und dem Norden

Sieht man die Nordlichter im Norden Islands besser?

Nur geringfügig. Reykjavík liegt bei etwa 64 Grad Nord, Akureyri bei knapp 66, und ganz Island liegt bereits unter dem Auroraoval. Der Norden ist im Winter statistisch etwas trockener und klarer, was ein echter, aber über die Saison gemittelter Vorteil ist. An einem konkreten Abend entscheidet die Wolkendecke, nicht der Breitengrad.

Ist Reykjavík nicht zu hell für das Nordlicht?

Die Stadt ist hell, aber klein, und genau deshalb fahren alle sechs Touren aus ihr hinaus. Nach etwa vierzig Minuten Fahrt bist du in einer Dunkelheit, die von der im Norden nicht zu unterscheiden ist. Der Nachteil der Hauptstadt wird also weggefahren, und das ist der eigentliche Zweck einer geführten Tour.

Lohnt sich die Fahrt nach Akureyri nur für die Nordlichter?

Nein. Das sind im Winter mehrere Stunden auf teils schwierigen Straßen für einen Vorteil, den eine einzige zugezogene Nacht vollständig aufhebt. Wenn du ohnehin mehrere Tage im Norden verbringst, nutze die im Mittel klareren Nächte dort. Als eigener Programmpunkt rechnet sich die Fahrt nicht.

Fahren die Touren ab Reykjavík in den Norden?

Keine der sechs. Alle sind Abendtouren von vier bis fünf Stunden, und in diese Zeit passt nur der Radius rund um Reykjavík: die Reykjanes-Halbinsel, das Hinterland Richtung Þingvellir und die Südküste. Wer eine Abendtour sieht, die Akureyri verspricht, sollte die Fahrzeit nachrechnen.

Was ist der größte Vorteil von Reykjavík als Ausgangspunkt?

Die Angebotsdichte. Sechs sehr unterschiedliche Touren mit Abfahrten an jedem Abend der Saison bedeuten, dass du einen kostenlosen zweiten Versuch schon am nächsten Abend einlösen kannst. Dazu kommt, dass fast jede Islandreise ohnehin hier beginnt, du also keinen zusätzlichen Reisetag einplanen musst.